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Kollisionsverhütungsregeln (KVR)

Was sind die Kollisionsverhütungsregeln (KVR)?

Geschrieben von Jonas
18. Apr. 2026 (Aktualisiert 18. Sept. 2026)

Definition

💡 Die Kollisionsverhütungsregeln (KVR) sind die internationalen Verkehrsregeln der Seeschifffahrt. Die IMO verabschiedete sie 1972 als COLREG (Collision Regulations), auch IRPCS (International Regulations for Preventing Collisions at Sea) genannt. Sie gelten weltweit auf allen Meeren und den meisten größeren Binnengewässern und umfassen 38 Regeln zu Ausweichpflichten, Lichterführung, Signalkörpern und Schallsignalen.

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Was die KVR regeln

Vier Kernbereiche:

Ausweichregeln: Sie bestimmen, welches Fahrzeug ausweichen muss und welches seinen Kurs hält. Dabei unterscheiden sie zwischen Entgegenkommen, Kreuzen und Überholen.

Lichterführung: Jedes Fahrzeug muss bei Nacht bestimmte Lichter zeigen, die seine Art, Größe und Bewegungsrichtung anzeigen. Steuerbord zeigt grünes Seitenlicht, Backbord zeigt rotes Seitenlicht.

Schallsignale: Die KVR schreiben vor, welche Töne ein Schiff in welcher Situation geben muss: beim Manövrieren, beim Überholen und besonders bei verminderter Sicht.

Verhalten bei verminderter Sicht: Bei Nebel, Schneefall oder starkem Regen gilt angepasste Geschwindigkeit und das Geben von Nebelsignalen in regelmäßigen Abständen.

Ausweichhierarchie: Wer hat Vorfahrt?

Die KVR legen eine Rangfolge fest. Ein Fahrzeug weicht dem aus, das über ihm in der Hierarchie steht:

  1. Manövrierunfähige Fahrzeuge (z. B. Ruderbruch, Maschinenausfall)
  2. Manövrierbehinderte Fahrzeuge (z. B. Tonnenleger, Kabelleger, Bagger)
  3. Tiefgangbehinderte Fahrzeuge
  4. Fischende Fahrzeuge (deren Fanggerät die Manövrierfähigkeit einschränkt)
  5. Segelfahrzeuge (ohne laufende Maschine)
  6. Maschinenfahrzeuge

Ein Motorboot weicht also einem Segelboot. Ein Segelboot weicht einem Bagger, der Unterwasserarbeiten durchführt.

Ausweichhierarchie nach KVR als Diagramm: Sechs Fahrzeugtypen von oben nach unten geordnet (manövrierunfähig bis Maschinenfahrzeug), mit Pfeilen die zeigen, wer wem ausweicht. Jede Stufe mit kleiner Schiff-Ikone und Beschriftung.

Ausweichpflicht und Kurshaltepflicht

In jeder Begegnungssituation hat ein Fahrzeug Ausweichpflicht (give-way vessel) und das andere Kurshaltepflicht (stand-on vessel).

Das ausweichpflichtige Fahrzeug muss frühzeitig und eindeutig manövrieren: mit einer erkennbaren Kurs- oder Geschwindigkeitsänderung, keine kleinen Korrekturen. Das kurshaltepflichtige Fahrzeug behält Kurs und Geschwindigkeit bei, darf aber selbst manövrieren, wenn eine Kollision unmittelbar droht.

Rechtliche Grundlage in Deutschland

In Deutschland sind die KVR im Seeschifffahrtsrecht verankert, konkret in der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO) und dem Seeschifffahrtsgesetz (SeeSchG). Wer gegen die KVR verstößt und dadurch einen Unfall verursacht, haftet und kann mit Bußgeldern belegt werden. Bei Seeunfällen prüfen Seeämter regelmäßig, ob die Beteiligten die KVR eingehalten haben.

KVR und der Bootsführerschein

Für den Sportbootführerschein See (SBF See) und den Sportküstenschifferschein (SKS) sind Grundkenntnisse der KVR Pflichtprüfungsstoff. Die Prüfung fragt vor allem nach:

  • Ausweichhierarchie und konkreten Begegnungssituationen
  • Lichterführung bei verschiedenen Fahrzeugtypen
  • Schallsignalen beim Manövrieren und bei Nebel
  • Verhalten bei verminderter Sicht

Wer hat Vorfahrt: Segelboot oder Motorboot?

Das Segelboot. Nach den KVR ist ein Maschinenfahrzeug gegenüber einem Segelfahrzeug ausweichpflichtig, solange das Segelboot unter Segel fährt und seine Maschine nicht benutzt. Läuft die Maschine, gilt das Boot als Maschinenfahrzeug, auch wenn die Segel gesetzt sind.

Was bedeutet „in Fahrt" nach den KVR?

„In Fahrt" heißt nicht, dass ein Schiff sich bewegt. Ein Fahrzeug gilt als „in Fahrt", solange es weder vor Anker liegt noch festgemacht ist noch auf Grund sitzt. Es kann „in Fahrt" sein, ohne Fahrt durchs Wasser zu machen, etwa ein antriebsloses Schiff, das mit der Strömung treibt.

Welche KVR-Themen kommen in der Bootsführerschein-Prüfung?

Drei Bereiche dominieren die Prüfung: Ausweichregeln (wer weicht wem aus, in welcher Situation), Lichterführung (welche Lichter zeigt welcher Fahrzeugtyp bei Nacht) und Schallsignale (welche Töne in welcher Situation). Verhalten bei verminderter Sicht, insbesondere die Nebelsignale, ist prüfungsrelevant. Diese vier Bereiche decken den KVR-Prüfungsstoff vollständig ab.

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