💡 Luvseite ist die dem Wind zugewandte Seite eines Bootes. Der Wind kommt von der Luvseite, trifft dort zuerst auf Rumpf, Segel oder Aufbauten. Die gegenüberliegende, windabgewandte Seite heißt Leeseite. Anders als Steuerbord oder Backbord ist Luvseite keine feste Schiffsseite — sie wechselt mit der Windrichtung.
Das Wort Luv stammt aus dem Altnordischen lofi, dem flachen Hilfsruder, das frühe Schiffe gegen den Wind auslegten. Im Althochdeutschen findet sich die Verwandtschaft in lappo für „flache Hand" oder „Ruderblatt". Das englische windward beschreibt dieselbe Seite, wörtlich die dem Wind zugewandte Richtung.
Lee kommt ebenfalls aus dem Altnordischen: hle bedeutet Schutz oder Windstille. Daraus wurde das niederdeutsche Wort für einen Ort, an dem der Wind nicht hinkommt. Das hochdeutsche lau gehört zur selben Wortfamilie.
Beide Begriffe sind seit Jahrhunderten in der Seemannssprache verankert und heute auch in Meteorologie und Geographie gebräuchlich.
Luv und Lee beschreiben die relative Lage zum Wind — und damit, wie das Boot liegt, wie es segelt und wer wem ausweichen muss.
Auf einem Segelboot liegt die Luvseite höher, weil der Wind das Boot heellegt. Die Besatzung setzt sich in Luv, um das Boot aufzurichten. Windsurfer, Segler und Skipper sprechen von der Luvseite des Segels, wenn sie den Trimm besprechen: An der Luvseite steht Druck, an der Leeseite entsteht Sog.
Kommandos wie anluven (das Steuer in Richtung Wind drehen, die Luvseite gewinnen) und abfallen (vom Wind wegdrehen, Richtung Lee) bauen auf diesem Begriff auf. Wer nicht weiß, wo Luv liegt, versteht diese Anweisungen nicht.
| Luvseite | Leeseite | |
|---|---|---|
| Lage | dem Wind zugewandt | vom Wind abgewandt |
| Segelseite | Druckseite | Saugseite |
| Bootsneigung | höhere Seite | niedrigere Seite (Boot neigt sich) |
| See | rauer, mehr Wellen | ruhiger, windgeschützt |
| Besatzung | Sitzposition bei Krängung | geschützte Seite |

Bei schwerem Wetter kann die Leeseite gefährlich werden: Fällt jemand über Bord auf der Leeseite, treibt er mit dem Wind vom Boot weg. Auf der Luvseite treibt der Mensch zurück Richtung Boot.
Das Boot in Lee hat Vorfahrt. Die Kollisionsverhütungsregeln (KVR) schreiben für Segelboote vor: Wer den Wind von der gleichen Seite hat wie das andere Boot, aber auf der Luvseite liegt, muss ausweichen. Das heißt: Das Luvboot weicht dem Leeboot aus.
Der Gedanke dahinter ist praktisch. Das Leeboot kann dem Wind nicht ausweichen, ohne ins andere Boot zu drehen. Das Luvboot kann abfallen, also vom Wind weg, und damit Platz schaffen. Die Regel gibt dem Wendigeren die Pflicht.
Die Luvseite ist immer die Seite, auf der der Wind einschlägt — also die Druckseite des Segels. Auf der Leeseite entsteht durch die Segelwölbung Unterdruck, der das Boot vorwärts zieht, ähnlich wie bei einem Flügel.
Ein Segelboot segelt am effizientesten, wenn Luv- und Leeseite des Segels optimal zusammenspielen. Ist das Segel zu flach oder zu weit gefiert, bricht die Strömung auf der Leeseite ab und das Segel verliert Vortrieb. Segler nennen das Absacken oder das Segel schlägt.
Anluven heißt, das Boot näher an den Wind zu drehen — die Luvseite wird also größer, das Boot zeigt mehr mit dem Bug in den Wind. Das Gegenteil ist abfallen: Das Boot dreht vom Wind weg, die Leeseite wächst.
Anluven wird im Steuerkommando „Ruder nach Lee" ausgelöst. Das Ruder drückt das Heck in Richtung Lee, der Bug dreht nach Luv. Viele Einsteiger verwechseln das — das Ruder zeigt immer in die entgegengesetzte Richtung, in die der Bug dreht.