💡 Leeseite ist die vom Wind abgewandte Seite eines Bootes. Der Wind trifft zuerst auf die gegenüberliegende Seite, die Luvseite. Anders als Steuerbord oder Backbord ist die Leeseite keine feste Schiffsseite — sie wechselt, sobald sich die Windrichtung ändert oder das Boot einen anderen Kurs steuert.
Auf einem Segelboot ist die Leeseite die niedrigere Seite. Der Wind drückt das Boot zur Leeseite hin, die Besatzung spricht von Krängung. Bei starker Krängung kann die Leeseite fast bis zur Wasseroberfläche abtauchen. Die Besatzung sitzt deshalb auf der Luvseite, um das Boot aufzurichten.
Die Leeseite bietet aber auch Schutz. In Lee des Rumpfes ist die Wasseroberfläche ruhiger als in Luv, weil der Rumpf den Wellengang bricht. Diesen Effekt nutzt man beim Manöver „Lee machen": Das Schiff dreht so zu Wind und Wellen, dass es auf der Leeseite ein ruhiges Kielwasser erzeugt. Das erleichtert das Übersetzen eines Lotsen, das Aussetzen eines Rettungsbootes oder das Bergen von Personen aus dem Wasser.
Das Kommando abfallen bedeutet, das Boot von der Luvseite weg in Richtung Lee zu drehen. Das Gegenteil, anluven, dreht das Boot zurück in Richtung Wind.
| Luvseite | Leeseite | |
|---|---|---|
| Lage | dem Wind zugewandt | vom Wind abgewandt |
| Segelseite | Druckseite | Saugseite |
| Bootsneigung | höhere Seite | niedrigere Seite (Krängung) |
| See | rauer, mehr Wellen | ruhiger, windgeschützt |
| Besatzung | Sitzposition bei Krängung | geschützte, tiefere Seite |

Fällt jemand über Bord auf der Leeseite, treibt er mit dem Wind vom Boot weg. Ein Mann-über-Bord auf der Luvseite treibt zurück Richtung Rumpf. Das macht Leeseite-MOB-Situationen deutlich schwieriger.
Das Boot in Lee hat Vorfahrt. Die Kollisionsverhütungsregeln (KVR) regeln für Segelboote: Wenn zwei Boote den Wind von derselben Seite haben und eines liegt in Luv des anderen, muss das Luvboot ausweichen. Das Leeboot darf seinen Kurs halten.
Der Grund ist physikalisch: Das Leeboot kann nicht ohne Weiteres aus dem Weg gehen, weil es dafür anluven müsste und dabei direkt auf das Luvboot zudrehen würde. Das Luvboot kann abfallen und so Platz schaffen, ohne Kollisionskurs zu nehmen.
„Lee machen" ist ein Seemannsmanöver, bei dem das Schiff so positioniert wird, dass es auf der Leeseite ein ruhiges, windgeschütztes Wasserfeld erzeugt. Dazu dreht das Schiff mit dem Bug in den Wind und legt sich quer zur Dünung.
Das Manöver wird immer dann eingesetzt, wenn auf dem Wasser neben dem Schiff etwas passieren muss: Lotsenversetzung, Rettungsinsel aussetzen, verletzte Person aus dem Wasser holen. Rettungsinseln haben oft einen automatischen Treibanker, der verhindert, dass die Insel Richtung Lee wegtreibt, damit Überlebende beim Einsteigen nicht gegen den Wind ankämpfen müssen.
Der Wind drückt auf die Segel und erzeugt dabei eine Querkraft, die das Boot seitlich neigt. Das Boot dreht sich um seine Längsachse, die Leeseite sinkt ab, die Luvseite steigt. Je stärker der Wind und je mehr Segelfläche gesetzt ist, desto stärker die Krängung.
Moderne Segelyachten sind darauf ausgelegt, dass ein gewisses Maß an Krängung sogar Vorteil bringt, weil der Rumpf effizienter durchs Wasser gleitet. Kippt die Krängung aber über einen kritischen Winkel, verlieren die Segel Effizienz und das Boot wird schwer zu steuern. Dann muss gerefft werden, also Segelfläche verkleinert.